Telemann, Georg Philipp
Musicalisches Lob Gottes
Originaltitel: Musicalisches Lob Gottes in der Gemeine des Herrn
Zugehörigkeit: MusLG
Textdichter/-in: Neumeister, Erdmann
Werkstatus:
authentisch
Bemerkungen:
Mit dem Jahrgang Musicalisches Lob Gottes legte Telemann sein wohl ambitioniertestes und aufwändigstes Druckprojekt vor: Der Jahrgang wurde als Partiturdruck in Kupfer gestochen - vollstimmig und in der damals teuersten Druckmethode. Für den Jahrgang bat er den von ihm hochgeschätzten Hamburger Pastor und Textdichter Erdmann Neumeister, die Texte zu verfassen. Telemann kannte Neumeister vermutlich bereits seit seinen Studientagen in Leipzig, beide wirkten in Sorau und er hatte mit ihm bereits 1710/11 (Geistliches Singen und Spielen, GSuS1), 1713/14 (Französischer Jahrgang, FranzJ) und 1716/17, bzw. 1720 (Concerten-Jahrgang, ConcJ) zusammengearbeitet. Mehr oder weniger parallel arbeiteten beide am Lied-Jahrgang (LiedJ), der wohl 1743/44 aufgeführt wurde. Da davon auszugehen ist, dass die Erstaufführung der zunächst geplanten 69 Kirchenmusiken mit dem ersten Advent 1741 startete, muss Neumeister die Texte im Laufe desselben Jahres konzipiert und gedichtet sowie Telemann die Komposition seiner Kirchenmusiken begonnen haben. Telemann machte Neumeister konkrete Vorgaben bezüglich der Textstruktur, so dass die einzelnen Kirchenmusiken einheitlich gestaltet sind: Auf ein Dictum folgt ein Choral, dann ein Rezitativ und eine Arie. Ein weiterer Choral führt zu einer Arie; die Wiederholung des Dictums bildet den Schluss. Ein wesentliches und charakteristisches musikalisches Element des Musicalischen Lob Gottes sind die vielfältigen kontrapunktischen Techniken, die die Dicta wie ein roter Faden durchziehen.
Der Druck des Jahrgangs erfolgte in Nürnberg bei Balthasar Schmid und wurde als Partiturdruck und nicht, wie in der Zeit für größer besetzte Werke üblich, als Stimmendruck konzipiert. Mehrere Pränumerationsaufrufe und Publikationsanzeigen zeigen, dass eine Vermarktung des Drucks über verschiedene Kanäle - Buchhändler, Kunsthändler, Musiker - erfolgte. Im April und Mai 1742 erschienen Pränumerationsaufrufe, der erste mit einer langen Liste von Agenten; im Oktober lag die erste bei Balthasar Schmid verlegte Probepartitur vor. Weitere Probepartituren wurden im Dezember veröffentlicht. Der Druck des Jahrgangs mit 69 als Einzelpartituren veröffentlichten Kirchenmusiken war im August 1744 abgeschlossen, als Telemann seinen „Vorbericht“ datierte (16. August). Im Oktober 1744 wurde eine Nachlieferung der bislang nicht berücksichtigten Kirchenmusiken für den 5. und 6. Sonntag nach Epiphanias sowie den 27. Sonntag nach Trinitatis angekündigt. Zugleich offerierte Schmid das von Georg Lichtensteger gestochene Porträt Telemanns, das ihn mit einem Notenblatt mit dem Beginn der Musik zum 1. Advent ("Hosianna dem Sohne David") zeigt. Außerdem enthielt der Druck Telemanns ersten deutsch-französischen Lebenslauf. Erst nach der Veröffentlichung der Partituren publizierte Schmid im gleichen Jahr noch einen Band mit den dem Jahrgang zugrundeliegenden Dichtungen Neumeisters.
Im Musicalischen Lob Gottes bot Telemann sehr flexible Besetzungsmöglichkeiten an, die im Vorbericht beschrieben sind (der außerdem Bemerkungen zu Telemanns Bezifferungspraxis und ihrer Realisierung enthält). Dies hat möglicherweise zwei Gründe: Zum einen ist der musikalische Satz angesichts der Druckmethode vielleicht aus ökonomischen Gründen i.d.R. auf drei Stimmen reduziert und konnte durch optionale Besetzungen erweitert und farbiger gestaltet werden. Zum anderen erlaubte die Besetzungsflexibilität, auf verschiedene lokale Gegebenheiten einzugehen und damit eine möglichst breite Zielgruppe zu erreichen. Die „Kern“-Besetzung besteht somit aus Erster Stimme (Sopran), Zweiter Stimme (Alt oder Sopran), 2 Violinen und Basso continuo, wobei in den Chören die Violinen meist die Singstimmen verdoppeln und letztere auch chorisch besetzt werden können. Dazu kann ad libitum ein Bass und eine ihn in der Oberoktave verdoppelnde Viola treten. Drei Trompeten und Pauken können zu besonderen Festtagen hinzugezogen werden (1. Weihnachtstag, Neujahr, Epiphanias, 1. Ostertag, Christi Himmelfahrt, 1. Pfingsttag, Michaelis). Weitere Flexibilisierungen ergeben sich durch die Besetzungsmöglichkeiten der Singstimmen: So kann der Sopran mit Tenor (auch unisono im Oktavabstand) und der Alt mit Bass (ebenfalls auch unisono im Oktavabstand) entweder solistisch oder chorisch besetzt werden. Zusätzlich kann eine Querflöte oder Oboe den Sopran in den Chören sowie die Ritornelle in den Arien verstärken. Diese flexiblen Besetzungsmöglichkeiten erlaubten die Aufführung des Jahrgangs in unterschiedlichsten institutionell-kirchenmusikalischen Kontexten, die durch unterschiedlichste Konstellationen der vokalen und instrumentalen Ressourcen definiert sind.
Die weite Verbreitung des Jahrgangs, die durch die hohe Zahl an Druckexemplaren, handschriftlichen und Textquellen dokumentiert ist (u.a. in Aarhus, Berlin, Danzig, Elbing, Frankfurt, Kaufbeuren, Schorndorf, Schwerin), zeigt, dass Telemanns Strategie aufgegangen ist. Einige Quellen weisen konkrete, an örtliche Gegebenheiten orientierte Einrichtungen auf, die beweisen, dass man aufgrund von Telemanns flexiblen Vorgaben durchaus kreativ mit den eröffneten Möglichkeiten umgegangen ist. Die Textquellen aus Elbing (Elbląg, Polen) - musikalische Quellen sind nicht erhalten - zeigen die lange Nutzungsdauer des Materials auf: Telemanns Jahrgang wurde dort unmittelbar nach der Veröffentlichung 1744 und sogar noch 1772 aufgeführt. Er gehörte somit mindestens 30 Jahre lang zum Repertoire der Elbinger Marienkirche.
In Hamburg scheint der Jahrgang - zumindest in Auszügen - in den Kirchenjahren 1748-1749, 1752-1753, 1757-1758 und 1762-1763 wiederholt worden zu sein.
13 ausgewählte Kirchenmusiken wurden 2020 in Band 62 der Telemann-Ausgabe veröffentlicht.
(Berthold Over/Ralph-Jürgen Reipsch)
Vorbericht (1744)
Hosianna dem Sohne David
Es spricht, der solches zeuget
Die ihm vertrauen
Wachset in der Gnade und Erkenntnis
Uns ist ein Kind geboren
Freuet euch, die ihr mit Christo leidet
Und das Wort ward Fleisch
Amen! Lob und Ehre
Halleluja, lobet den Namen des Herrn
Ich bin arm und elend
Lobet den Herrn, alle Heiden
Wie lieblich sind deine Wohnungen
Der Herr kennet die Tage der Frommen
Was Gott im Himmel will, das geschehe
Wenn mir angst ist, so rufe ich
So lasset uns nun nicht schlafen
Und siehe, eine Stimme aus den Wolken
Aus Gnaden seid ihr selig worden
Ja, selig sind, die Gottes Wort hören
Siehe, das ist Gottes Lamm
Seid nüchtern und wachet
Gedenke doch, wie ich so elend
Meine Augen sehen stets zu dem Herrn
Jauchzet, ihr Himmel, freue dich Erde
Unser Trost ist der
Ihr Gerechten, freuet euch des Herrn
Man singet mit Freuden vom Sieg
Halt im Gedächtnis Jesum Christum
Jesus Christus ist kommen
Ohne Glauben ist's unmöglich
Meine Schafe hören meine Stimme
Wir wissen, dass denen, die Gott lieben
So wir denn nun haben, lieben Brüder
Das ist die Freudigkeit
Gott fähret auf mit Jauchzen
Ich halte es dafür, dass dieser Zeit Leiden
Wisset ihr nicht, dass euer Leib
Also hat Gott die Welt geliebet
Der Herr ist mein Hirte
Gelobet sei Gott
Gott wird geben einem jeglichen
Selig sind, die zum Abendmahl
Wende dich zu mir
Wer der Barmherzigkeit und Güte nachjaget
Der Segen des Herrn machet reich
Wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst
Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist
Ihr Lieben, gläubet nicht einem jeglichen Geist
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen
Sie verachten das Gesetz des Herrn Zebaoth
Suchet den Herrn, weil er zu finden ist
Er hat alles wohl gemacht
Das ist sein Gebot, dass wir gläuben
Seid dankbar in allen Dingen
Trachtet am ersten nach dem Reich Gottes
Unser keiner lebet ihm selber
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
Die Hauptsumma des Gebots ist Liebe
Wo ist solch ein Gott, wie du bist
Gott, unser Heiland, will
Ich hoffe darauf, dass du so gnädig bist
Wer sich rächet
Ach, wo kömmt doch das böse Ding her
Das weiß ich fürwahr
Das sollst du wissen, dass in den letzten Tagen
Wir müssen alle offenbar werden
Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen
Ich habe Lust, abzuscheiden
Dies ist der Tag, den der Herr macht
Lobet den Herrn, alle Heiden
Meine Seele erhebet den Herrn
Und alle Engel stunden um den Stuhl
Entstehungszeit: [Hamburg] [1741]-1744
| 1742-1744 |
Druck |
| 1742 |
Früheste Dokumentation |
Solo/Soli: Erste Stimme, Zweite Stimme
Quellen
Aufführungen
Dokumente
Forschungsliteratur
Editionen
Diskographie
Zuletzt geändert am 2025-06-25 09:55