Telemann, Georg Philipp
Oratorischer Jahrgang
(Zell-Jahrgang)
(Zellischer Jahrgang)
(Großer oratorischer Jahrgang)
Zugehörigkeit: OratJ
Librettist/-in: Zell, Albrecht Jakob
Werkstatus:
authentisch
Bemerkungen:
Für seinen kirchenmusikalischen Jahrgang 1730/31 in Hamburg griff Telemann auf Libretti des aus Hamburg stammenden Dichters und Musikers Albrecht Jacob Zell (1701-1754) zurück, weshalb dieser auch als Zell-Jahrgang oder Zellischer Jahrgang bekannt ist. Zells weit gefasste Libretti sind Oratorien, die sowohl allegorische als auch biblische Figuren enthalten. Die Oratorien haben eine beachtliche Länge, so dass sie für den Gebrauch in den hamburgischen Gottesdiensten stets in drei Abteilungen gegliedert werden mussten (vor der Predigt, nach der Predigt, zum Beschluss). Dies war Telemanns erster vollständiger Oratorienjahrgang, nachdem er 1725 bereits einige gottesdienstliche Oratorien auf Texte von Matthäus Arnold Wilkens komponiert hatte. Ihm folgten 1731/32 die kompakteren Oratorien des Schubart-Jahrgangs und 1736/37 der Stolbergische Jahrgang, der ebenfalls mehrere Oratorientexte umfasst.
Aufgrund widersprüchlicher Angaben ist die Entstehungszeit der Kirchenmusiken nicht in allen Fällen konkret zu bestimmen: Generell ist eine Entstehungszeit 1730 bis 1731 anzunehmen. Doch möglicherweise gab es während der Passionszeit, in der in Hamburg Passionen erklangen, eine Unterbrechung. Fehlende Stücke wurden dann vermutlich 1733 nachgeliefert. Bei den Kirchenmusiken zum Sonntag nach Neujahr ("Fleuch die Luste deiner Jugend", TVWV 1:550, OratJ-10) und zum 3. Sonntag nach Epiphanias ("Warum währet doch unser Schmerz so lange", TVWV 1:1504, OratJ-14) handelt es sich um Pasticci aus Werken des 2. Lingenschen Jahrgangs, des Seelmann-Jahrgangs, des Harmonischen Lob Gottes und aus einem Wilkens-Oratorium (PfauM 2024).
Der Oratorische Jahrgang erklang vollständig 1742/43 in Gotha unter Kantor Johann Ernst Hodermann, der bereits 1737/38 Telemanns Französischen Jahrgang aufgeführt hatte (und wurde 1766 dort zum Verkauf angeboten). Ausgewählte Werke wurden noch bis in die 1760er Jahre in Berlin gespielt. In Hamburg scheint der Jahrgang komplett nicht mehr aufgeführt worden zu sein; für die Kirchenmusik "So muss die schlaue Vorsicht sein" (TVWV 1:deest, OratJ-44) lässt sich eine Aufführung im Jahr 1763 nachweisen.
Etwas mehr als die Hälfte von Telemanns Oratorien aus diesem Jahrgang ist erhalten. Die meisten wurden von Jacob Ditmar, Kantor der Berliner Nikolaikirche von 1728 bis 1780, als Partitur und in Stimmen abgeschrieben und teilweise bearbeitet. Ditmars Manuskripte gehören zum 1999 wiederentdeckten Musikarchiv der Sing-Akademie zu Berlin und waren daher jahrzehntelang unzugänglich. Aus Berlin stammen auch Quellen aus dem späten 18. Jahrhundert, die einige von Telemanns Oratorien Georg Friedrich Händel zuschreiben. Sie scheinen nicht die Originalversion widerzuspiegeln, sondern dem veränderten musikalischen Geschmack der Zeit angepasst worden zu sein. Arien und Dicta der Oratorien vom 1. Advent bis zum 2. Sonntag nach Epiphanias wurden von Zell und Telemann in das Oratorium Die Bekehrung des römischen Hauptmannes Cornelius (Hamburg 1731) übernommen.
Die Oratorien für Ostersonntag, den zweiten Sonntag nach Ostern, das Johannisfest, das Michaelisfest und den 25. Sonntag nach Trinitatis wurden 2017 im Band 58 der Telemann-Ausgabe veröffentlicht.
(Steven Zohn, The Telemann Compendium, Woodbridge 2020, S. 99-100; Übersetzung: Christoph Kellermann/Berthold Over/Ralph-Jürgen Reipsch)
Es ist gewisslich an der Zeit
So folgt der Fesseln schütternd Klingen
Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedrigt werden
Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist
Sie gehen dahin unter den Sorgen
Im hellen Glanz der Glaubenssohne
Siehe, dieser wird gesetzt zu einem Fall
Herr Gott, dich loben wir
Fleuch die Luste deiner Jugend
Mache dich auf, werde Licht
Es gleitet mein Fuß auf schlüpfrigen Wegen
Schlage, bald erwünschte Stunde
Warum währet doch unser Schmerz so lange
Herr, hilf uns, wir verderben
Ich wandle mit furchtsamen Schritten
Ach, wie gut ist, hier zu sein
Ein sanftes Erfreuen, ein ruhiges Ergetzten
Mein Jesus wirft mit voller Hand
Wie ein Lämmlein sich dahin lässt
Allmächtiger, heiliger, starker Gott
Allein zu dir, Herr Jesu Christ
Ich will singen von der Gnade des Herrn
Wie lange hinket ihr auf beiden Seiten
Ich hebe mich ein wenig kaum empor
Auf, ihr Priester, auf zum Schlachten
Der Tod ist verschlungen in den Sieg
Er wird trinken vom Bach auf dem Wege
Horche nur, dort regt sich was
Gläubst du? Willig. Gläubst du? Nein!
Bequemliches Leben, gemächlicher Stand
Ich muss im Leben immer wandeln
Ach, wer verkündigt mir, was mir ins zukünftige
So lasset uns nun hinzutreten mit Freudigkeit
Es kommt die Zeit heran, ich soll
Schallt die heiße Mord-Trompete
Komm, Gnadentau, befeuchte mich
Ich bin bestürzt, beschämt, voll Angst
Lauft her, ihr Schäflein, dringt heraus
O welch eine Tiefe des Reichtums
So lässt die Pracht den großen Reichtum spüren
Die Stunde schlägt, kommt, kommt, ihr Gäste
Verwirrter Geist, wie wird mir
So muss die schlaue Vorsicht sein
Scherzet, ihr Circul, auf spiegelnder Flut
Geehrter Stand der weisen Pharisäer
Ein solches Wunderwerk, als Jesus einst getan
Sehet euch für für den falschen Propheten
Ihr Knechte, höret meinen Schluss
Wohin, mein Heil, wohin mit feuchten Wangen?
Ein Landmann musst den Pflug mit Mühe treiben
Der Gottlose lauret auf den Gerechten
Ich gehe mit Tanzen, mit lustigen Springen
Ihr Helden, deren Arm vier Königreiche schützet
Nun, so weit bin ich durch die Welt
Nichts betrübters ist auf Erden
Mich treibet der Eifer des Königs von hinnen
Nehmet den Lorbeer geheiligter Zweige
Ach, machte doch des Todes Schlag
Ein Töpfer formt, er dreht der Scheibe Rad
Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet
Da er's nun nicht hatte zu bezahlen
Als Gott den Menschen bildete
Benhadad, der als Herr der Syrer Land beglückt
Es wird ein Tag sein
Wenn aber des Menschen Sohn kommen wird
Die Mauren des irdischen Jericho
Gehe hin, mein Volk, in deine Kammer
Das Blöken der Schafe, das Brüllen der Rinder
Gelobet sey der Herr
Es stößet die Gewaltigen vom Stuhl
Gottloses, schändliches Gebot
Entstehungszeit: [1730-1733]
Quellen
Forschungsliteratur
Zuletzt geändert am 2025-07-23 09:47