Telemann, Georg Philipp
Jahrgang ohne Recitativ
Zugehörigkeit: JoR
Textdichter/-in: Helbig, Johann Friedrich; Neukirch, Benjamin
Werkstatus:
authentisch
Bemerkungen:
Der Jahrgang ohne Recitativ wurde im Zusammenhang mit Telemanns Verpflichtung als Kapellmeister von Haus aus (seit 1717) für den Eisenacher Hof komponiert. Die Vermittlung der dem Jahrgang zugrundeliegenden Dichtungen von Johann Friedrich Helbig und Benjamin Neukirch an Telemann erfolgte vereinbarungsgemäß durch den Hof. Parallel zu der angenommenen Eisenacher Erstaufführung im Kirchenjahr 1724/25 wurde er auch in Frankfurt a.M. und Hamburg musiziert. Sieben Werke hat Telemann vorab bereits in der Trinitatiszeit des Kirchenjahres 1723/24 in Hamburg aufgeführt.
Die Zuweisung der Dichtungen an die genannten Autoren kann anhand der Hamburger Textdrucke des Kirchenjahres 1724/25 erfolgen, da sie dort mit den Initialen "H." (für Helbig) und "B. N." (für Benjamin Neukirch) versehen wurden. Obgleich einige der Kirchenmusiktexte unbezeichnet blieben (1. Advent bis 3. Advent) und für andere keine mit Initialen versehenen Textdrucke vorliegen, darf davon ausgegangen werden, dass die erste Jahrgangshälfte (bis Exaudi) von Helbig, die zweite (1. Pfingsttag bis 26. Sonntag nach Trinitatis) von Neukirch stammt.
Der Form nach sind die aus Arien, Dicta und Kirchenliedern bestehenden Musiken als „Poetische Oratorien“ (Erdmann Neumeister, 1697) anzusprechen. Die Bezeichnung Jahrgang ohne Recitativ ist u.a. durch eine Aufschrift in den in Frankfurt a.M. überlieferten Notenmaterialien verbürgt.
Jedes der Werke enthält ein Doppelpaar von Dictum und Arie sowie Choräle. Die weitaus häufigste Variante, die als „Normalform“ bezeichnet werden kann, ist sechsteilig mit der zweimaligen Abfolge von Dictum – Arie – Choral. Die übrigen Formvarianten unterscheiden sich durch Stellung und Anzahl der Choräle, das zweite Arie-Dictum-Paar kann in der Reihenfolge vertauscht erscheinen. In einigen Quellen wurden Choräle vorangestellt, die vermutlich als fremde Zusätze zu bewerten sind.
Entsprechend der normierten Anlage der Dichtung ist auch eine Standardisierung in der Struktur der einzelnen Sätze zu beobachten. Das in der Regel eröffnende erste Solo-Dictum ist in einem teils vierstimmigen, teils dreistimmigen Satz im stark wort- und affektorientierten doppelten Kontrapunkt ausgearbeitet. Die folgende Arie zeigt einen dreistimmigen Satz, der partiell auch zur Zweistimmigkeit reduziert wird. Dem nächsten Dictum ist stets ein herb wirkender zweistimmiger Satz zugeordnet, in dem sich Vokalsolo und Streicherunisono meist mit thematisch völlig eigenständigen Stimmen gegenüberstehen. Wiederum dreistimmig angelegt ist die letzte Arie. Die zwischen Arien und Dicta interpolierten oder abschließenden Choräle zeigen den üblichen vierstimmigen Kantionalsatz.
Die Kirchenmusiken sind mit vier Solostimmen (Sopran, Alt, Tenor, Bass), zwei Violinen, Viola und Basso continuo besetzt. Nur beim Himmelfahrtsstück TVWV 1:1343 treten drei Trompeten und Pauken hinzu. Die Violinen können durch zwei Oboen verdoppelt werden. Die Vokalstimmen vereinen sich nur bei den Chorälen zum vierstimmigen Satz, bei einigen Festmusiken auch in den polyphonen Teilen der Schlussdicta (vgl. z.B. TVWV 1:131 und TVWV 1:880).
Der Jahrgang war relativ weit verbreitet, die Quellen weisen nach Hessen, Mecklenburg, Thüringen und Sachsen. Telemann selbst hat einzelne Kirchenmusiken noch bis in die 1760er Jahre in Hamburg verwendet. Zwei Kirchenmusiken erweiterte Telemann Hamburger Textdrucken von 1725 zufolge mit jeweils zwei Arien und zwei Rezitativen (TVWV 1:496, 1:1674).
Der Jahrgang ist fast vollständig erhalten (außer 6. Sonntag nach Epiphanias, TVWV 1:655; 7. Sonntag nach Trinitatis TVWV 1:887). Eine Musik zum 27. Sonntag nach Trinitatis war nicht vorgesehen, auch Neukirchs Manuskript enthielt keine Dichtung für diesen Sonntag. Gleiches gilt für den Rudolstädter Textdruck, der den vollständigen Jahrgang abbildet.
Vom Text zum 9. Sonntag nach Trinitatis liegen zwei Telemann zugewiesene Vertonungen vor (TVWV 1:227 und TVWV 1:228).
Die Kirchenmusiken für Oculi bis Cantate und Mariae Verkündigung wurden 2015 in Band 55 der Telemann-Ausgabe veröffentlicht.
(Ralph-Jürgen Reipsch)
Siehe, der Herr kommt
Wir haben den funden
Es sei denn, dass jemand geboren werde
Kündlich groß ist das gottselige Geheimnis
Ach Gott, wie manches Herzeleid
Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben
Siehe da, ich lege in Zion einen Stein
Siehe, eine Jungfrau ist schwanger
Der Herr behütet alle
Habt ihr nicht gesehen, den meine Seele liebe
Die Furcht des Herrn ist der rechte Gottesdienst
Die Ehe soll ehrlich gehalten werden
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen
Gott ist unsre Zuversicht
Wir haben ein festes prophetisches Wort
Gott hat sein Kind Jesu verklärt
Nicht viel Weise nach dem Fleisch
Heilige sie, Vater, in deiner
Siehe, das ist Gottes Lamm
Wachet und betet, dass ihr nicht
Allein die Anfechtung lehret
Sie ist gefallen, Babylon, die Große
Christus ist wahrlich der Prophet
Gedenket an den, der ein solches Widersprechen
Herzliebster Jesu, was hast du verbrochen
Ich war tot, und siehe
Brannte nicht unser Herz in uns
Ich weiß wohl, was ich für Gedanken
So du mit deinem Munde bekennest
Der Herr ist mein Hirte
Zion spricht: Der Herr hat mich verlassen
Wenn aber der Tröster kommen wird
Gott, du erhörest Gebet
Gott, du erhörest Gebet
Singet dem Herrn ein neues Lied
Fürchtet euch nicht für denen
Es sind mancherlei Gaben
Es ist ein Gott und ein Mittler
Der Geist des Herrn Herrn
Drei sind, die da zeugen im Himmel
Der Herr Jesus wird offenbaret werden
Wohlan alle, die ihr durstig sein
Suchet den Herrn, weil er zu finden ist
Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist
Der Segen des Herrn machet reich
Wir sind allesamt wie die Unreinen
Ich will die müden Seelen erquicken
Es werden nicht alle, die zu mir sagen
Den Reichen von dieser Welt
Den Reichen von dieser Welt
Euch zuvörderst hat Gott auferwecket
Ich sage euch, dieser ging hinab
Bei dem Herrn findet man Hülfe
Denn so jemand das ganze Gesetz
Siehe an meinen Jammer und Elend
Aller Augen warten auf dich
Es ist ein elend jämmerlich Ding
Christus hat sich selbst für uns gegeben
Der Herr hat gesagt zu meinem Herrn
Herr, Herr Gott barmherzig und gnädig
Habt nicht lieb die Welt
Es ist gut, auf den Herrn vertrauen
Wohl dem, dem die Übertretungen
Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist
Gelobet sei Gott, der mein Gebet
Glaubet nicht einem jeglichen Geist
Es wird geschehen, dass des Menschen Sohn
Christus ist der Glanz
Es soll auf diesen Tag niemand sterben
Gelobet sei der Herr, der Gott Israel
Redet untereinander mit Psalmen und Lobgesängen
Sind sie nicht allzumal dienstbare Geister
Entstehungszeit: [1724-1725]
Quellen
Forschungsliteratur
Zuletzt geändert am 2025-07-22 16:48