Telemann, Georg Philipp

Sicilianischer Jahrgang

(1. Helbig-Jahrgang)

Zugehörigkeit: SicJ

Textdichter/-in: Helbig, Johann Friedrich

Werkstatus:

authentisch

Bemerkungen:

Der Sicilianische Jahrgang entstand im Rahmen von Telemanns Verpflichtungen als Eisenacher Kapellmeister von Haus aus (1717­-1729). Mit der Texterstellung beauftragte Herzog Johann Wilhelm von Sachsen-Eisenach den Hofsekretär und Hofmusiker Johann Friedrich Helbig (1680-1722), der auch den Jahrgangstext Harmonisches Lob Gottes und die erste Hälfte (1. Advent bis Exaudi) des Jahrgangs ohne Recitativ verfasste. Es könnte der erste Jahrgang gewesen sein, den Telemann als Kapellmeister von Haus aus von Frankfurt nach Eisenach sandte, doch bleibt die Datierung ungewiss. Der infrage kommende Zeitraum lässt sich von 1717 bis 1721 eingrenzen.

1720 erschien der vollständige Jahrgangstext bei dem Eisenacher Verleger Johann Adolph Boetius. Dieser Druck ist in zwei Varianten überliefert, die sich nur im Titel und in der Unterzeichnung der Vorrede unterscheiden: Die Ausgabe mit dem Titel Auffmunterung zur Andacht nimmt auf eine Aufführung der Musik durch die Eisenacher Hofkapelle Bezug, die andere versteht sich primär als Andachtsbuch (Poetische Auffmunterung zur Andacht).

Von den 72 Einzeltexten für die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres, die Helbigs Jahrgang umfasst, hat Telemann mindestens 69 vertont – keine kompositorischen Nachweise gibt es für den 5. und 6. Sonntag nach Epiphanias sowie den 27. Sonntag nach Trinitatis. Die Musik ist ausschließlich in Abschriften überliefert.

Die Kirchenmusiken sind hinsichtlich ihrer fünfsätzigen Binnengliederung normiert (Dictum - Arie - Rezitativ - Arie - Kirchenlied). Im Detail aber liegen den Vertonungen der biblischen Sprüche und Arien sehr verschiedene formale und satztechnische Gestaltungsmuster zu Grunde. In den Dicta kombinierte Telemann variantenreich homophone und kontrapunktische, solistische und vollstimmige Passagen. Auch die Arien, von denen mehr als die Hälfte nicht dem Da-capo-Modell folgen, sind von großer formaler Vielfalt. Bei den Rezitativen fällt eine musikalische Gliederung auf, die vorrangig die Versstruktur abbildet, am Ende des Reims erscheinen zumeist Zäsuren. Zur Besetzung mit vier Singstimmen, Streichern und Basso continuo treten zwei obligate Oboen (in einzelnen Sätzen mit zwei Blockflöten alternierend) hinzu, die das Spiel von Hirtenflöten imitieren und einen pastoral-arkadischen Duktus hervorrufen. Darüber hinaus herrschen oft ein für das Siciliano typisches schwingend-pulsierendes Metrum und eine einfache Melodie vor. Vor allem in den Arien mit ihrer häufig (auch formal) liedhaften und oberstimmenbetonten Anlage und in einigen Dicta herrscht ein sanfter, auf Simplizität und Natürlichkeit zielender Ausdruck, der die zurückhaltende Verwendung von Metaphern und das moderate Affektspektrum der Dichtung auffängt. Diese Charakteristika sind in unterschiedlicher Streuung im Jahrgang präsent, in der Regel aber mindestens in einem Satz jeder Kirchenmusik anzutreffen. Telemann integrierte in den Sicilianischen Jahrgang Elemente der zum Topos gewordenen Vorstellungen von der arkadischen Musik Süditaliens. Bereits im 18. Jahrhundert tradierte sich der Jahrgangsname. Ob er vom Komponisten stammt, ist nicht zu klären.

Der Sicilianische Jahrgang erfreute sich großer Verbreitung. Aufführungen lassen sich (zum Teil bis in die 1760er Jahre hinein) in Hamburg, Frankfurt am Main, Bayreuth, Roßla sowie Zerbst nachweisen. Abschriften befanden sich in Kaufbeuren und Großneuhausen. Darüber hinaus existieren zahlreiche Quellen unterschiedlicher Provenienz zu einzelnen Kirchenstücken.

Die Kirchenmusiken für den 7. bis 18. Sonntag nach Trinitatis und das Michaelisfest wurden 2018 in Band 52 der Telemann-Ausgabe veröffentlicht.

(Brit Reipsch)

Beinhaltet:
Machet die Tore weit  
So nun das alles soll zergehen  
Das ist je gewisslich wahr  
Wisset ihr nicht, dass alle  
Es ist erschienen die heilsame Gnade  
Gott will, dass allen Menschen geholfen werde  
Habt nicht lieb die Welt  
Er, der Messias, ist ein Stein des Anstoßes  
In Christo Jesu gilt weder Beschneidung  
Wir wissen, dass denen, die Gott lieben  
Christus ist das wahrhaftige Licht  
Lasset uns rechtschaffen sein  
Ich will mich mit dir verloben  
Der Herr ist nahe allen, die ihn anrufen  
Herr Gott Zebaoth, wer ist wie du  
Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen  
Unser Wandel ist im Himmel  
Gott hat uns berufen mit einem heiligen Ruf  
Machet keusch eure Seelen  
Lasset uns aufsehen auf Jesum  
Seid nüchtern und wachet  
Dennoch bleib ich stets an dir  
Darzu ist erschienen der Sohn Gottes  
Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes  
Einen solchen Hohenpriester  
Fürwahr, er (der Herr Messias) trug unsre, unsere Krankheit  
Gelobet sei Gott und der Vater  
Der Herr ist nahe bei denen  
Der Tod ist verschlungen in den Sieg  
Nun wir denn sind gerecht worden  
Der Gott des Friedens, der von den Toten  
Es ist ein köstlich Ding  
Der Gott unsers Herrn Jesu Christi  
Herr, wir liegen vor dir mit unserm Gebet  
Christus ist aufgefahren in die Höhe  
Der Herr wird den Elenden  
Wisset ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid?  
Gott hat das ewige Leben  
Das ist das ewige Leben  
So leget nun von euch ab  
Gehet ein durch die enge Pforte  
Das Reich Gottes ist nicht essen und trinken  
Wo ist solch ein Gott, wie du bist  
Liebet eure Feinde  
Habe deine Lust an dem Herrn  
So ziehet nun an als die Auserwählten Gottes  
Es ist ein großer Gewinn  
Hilf, Herr, die Heiligen haben abgenommen  
Wir müssen alle offenbaret werden  
Gott ist ein rechter Richter  
So wir sagen, dass wir Gemeinschaft mit Gott haben  
Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist  
Ihr Lieben, lasset uns untereinander liebhaben  
Das Blut Christi wird unser Gewissen reinigen  
Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen  
Unser keiner lebt ihm selber  
Wer sich selbst erhöhet, der soll erniedriget werden  
Lasset uns Gott lieben  
Wohl dem, dem die Übertretungen  
Zu Mitternacht ward ein Geschrei  
Versuchet euch selbst, ob ihr im Glauben  
Gott hat Geduld mit uns  
Jedermann sei untertan der Obrigkeit  
Selig ist der und heilig  
Die Gott vertrauen, die erfahren  
Es kommtet die Stunde  
Selig sind die Knechte  
Ich habe Lust abzuscheiden  
Da die Zeit erfüllet ward  
Gelobet sei der Herr, der Gott Israel  
Das ist meine Freude, dass ich mich  
Der Engel des Herrn lagert sich  

Entstehungszeit: [1717-1721]

+ Quellen

+ Forschungsliteratur


Zuletzt geändert am 2025-08-05 13:05